Fragen zum Das Friedensspiel
Warum mit dem Friedensspiel Frieden üben?
Weil Frieden in der Art beginnt, wie wir mit uns selbst und anderen umgehen.
Du kennst Situationen, in denen Gespräche kippen, Menschen auf ihren Positionen verharren oder sich bestimmte Konflikte immer wiederholen. Mit dem Friedensspiel übst du, zu verstehen, was gerade passiert, und bewusst so zu handeln, dass das Miteinander friedvoller wird.
Was ist Das Friedensspiel?
Das Friedensspiel ist ein Kartenspiel und zugleich ein Trainingswerkzeug für bewusste Beziehungsgestaltung. Es schafft einen geschützten Raum, in dem du spielerisch erkunden kannst, wie eine Beziehung durch dein eigenes Handeln entsteht und sich verändert.
Im Spiel werden typische Beziehungsmuster sichtbar und damit bewusst gestaltbar. Du entwickelst ein Gespür dafür, wie je nach Situation friedenstüchtig zu handeln ist.
Das Friedensspiel ist als Lernreise angelegt, auf der du Schritt für Schritt mehr Klarheit, Selbstführung und Friedenstüchtigkeit entwickelst – für dich, deine Beziehungen und, wenn du mit Menschen arbeitest, auch für deine Klienten.
Wer steckt hinter dem Friedensspiel

Hinter dem Friedensspiel stehe ich, Daniel Juling. Schon immer hat mich fasziniert, warum Menschen dieselbe Situation ganz unterschiedlich erleben. Statt Partei für eine Seite zu ergreifen, versuche ich immer wieder, Verständnis für die jeweils andere Sichtweise zu schaffen. Das kann irritieren. Doch wer sich darauf einlässt, entdeckt neue Sichtweisen, erweitert sein Denken und findet neue Wege aus festgefahrenen Situationen.
Unter dem Namen orthogonale Führung habe ich viele Jahre Workshops exklusiv für Entscheider und Führungskräfte gegeben. Dort lernten sie, Gegensätze nicht nur als Entweder-oder, sondern auch als Sowohl-als-auch zu verstehen und Nichtwissen als Ressource zu nutzen. So gewannen sie Orientierung, um lernende Organisationen zu entwickeln, die auch in ungewissen, komplexen und widersprüchlichen Situationen handlungsfähig bleiben.
Mit dem Friedensspiel übertrage ich die Denk- und Handlungsweise der orthogonale Führung auf die Entwicklung einer friedensfähigeren Gesellschaft und mache sie für jeden zugänglich. Das Friedensspiel befähigt Menschen, in Gegensätzen auch das Sowohl-als-auch zu erkennen, diese Fähigkeit zu trainieren und daraus befriedende Wege in alltäglichen Situationen zu entwickeln. Wer das Spiel beherrscht, kann andere dabei unterstützen, diese Fähigkeit ebenfalls zu entwickeln. So entsteht ein sich selbst tragender Lernprozess.
Friedenstüchtigkeit soll – unabhängig von mir – von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, damit Frieden aus der Gesellschaft selbst heraus wachsen kann. Ich freue mich, wenn du als Spieler des Friedensspiels Teil dieser Bewegung wirst.
Ist das Friedensspiel etwas für dich?
Das Friedensspiel ist etwas für dich, wenn du im Alltag konstruktiver mit Meinungsverschiedenheiten, Spannungen und Konflikten umgehen möchtest. Es hilft dir, herauszufinden, welches Handeln in einer konkreten Situation befriedend wirkt, und befähigt dich, andere dabei zu unterstützen, diese Fähigkeit ebenfalls zu entwickeln. Wenn du dich in einer der folgenden Situationen wiedererkennst, lohnt es sich, das Friedensspiel kennenzulernen.
- Du möchtest verstehen, warum manche Menschen unverrückbar auf ihren Positionen verharren.
- Du kennst Gespräche, die plötzlich kippen – und fragst dich später: Warum ist das eigentlich eskaliert?
- Du merkst, dass sich bestimmte Konflikte oder Beziehungsmuster immer wiederholen – und möchtest verstehen, was dahinter steckt.
- Du möchtest rechtzeitig erkennen, was in deinen Beziehungen passiert – um bewusst zu handeln, bevor sich Fronten verhärten.
- Du leidest unter dem gewaltvollen Verhalten eines Menschen und suchst nach Klarheit und Mut, dich daraus zu befreien.
- Du bemerkst, dass es sich für dich gut anfühlt, wenn du andere abwertest – und möchtest verstehen, warum das so ist.
- Du fühlst dich ohnmächtig angesichts dessen, wie selbstverständlich Gewalt als politisches Mittel eingesetzt wird – und fragst dich, was du selbst für mehr Frieden tun kannst.
- Du möchtest in deinem Einflussbereich aktiv zu mehr Frieden beitragen.
- Du suchst ein Moderationswerkzeug, mit dem du Beziehungsmuster mit deinen Klienten sichtbar und bewusst gestaltbar machen kannst.
Wie wird mit dem Friedensspiel Friedenstüchtigkeit aufgebaut?
Das Friedensspiel ist ein Kartenspiel, das als mehrstufige Lernreise aufgebaut ist. Wie bei einer Abenteuerreise betrittst Du unbekanntes Terrain und erschließt es Schritt für Schritt:
In Gedankenspielen bereitest du dich auf die Reise vor. Du lernst zentrale Begriffe kennen, öffnest neue Perspektiven und gewinnst Sicherheit. Wenn du das Spiel erklären kannst, bist du bereit, andere zu Übungspartien einzuladen.
In Übungsspielen testest du mit deinem Spielpartner unverbindlich verschiedene Wege. Du probierst neue Handlungsmöglichkeiten aus und erlebst, wie sie wirken. Wenn ihr die unterschiedlichen Beziehungskatzen einmal durchlebt und ihre jeweilige Dynamik verinnerlicht habt, seid ihr bereit, auch reale Konflikte mit den Karten durchzuspielen.
In Spielen mit realen Themen werden Karten mit rotem Rand gewandelt. So werden gewaltvolle Situationen entschärft und neue Wege öffnen sich. Statt gegeneinander vorzugehen, richtet sich der Blick auf einen gemeinsamen Schatz: die maximale Friedenssumme, die von allen getragen wird. Mit dem Heben dieses Schatzes zeigt sich das friedvollste Beziehungsmuster zum Thema, das alle bereit sind, im Alltag zu pflegen. Das im Spiel gefundene Beziehungsmuster kann im Alltag gemeinsam bewusst erprobt und gelebt werden, bis eine neue Thematisierung gewünscht wird.
Für andere zu spielen erweitert deine Kompetenz. Mit den Karten als Mediationswerkzeug kannst du Beziehungsmuster mit einem Fingerzeig sichtbar machen und Menschen dabei unterstützen, neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. So vertieft sich deine eigene Friedenstüchtigkeit, und andere finden leichter Zugang dazu.
Wie unterscheidet sich Friedenstüchtigkeit von Kriegstüchtigkeit?
Im Kontext des Friedensspiels beschreibt Friedenstüchtigkeit die menschliche Fähigkeit, potenziell gewaltvolle Beziehungsmuster frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. In einem zweiten Schritt geht es darum, gemeinsames Handeln zu entwickeln, das die Friedenssumme des gesamten Beziehungssystems maximiert.
Kriegstüchtigkeit hingegen bezeichnet die Fähigkeit eines Staates, Konflikte durch organisierte Gewalt eskalieren zu können, um eigene Interessen und Narrative durchzusetzen. Verluste auf der Ebene des gesamten Beziehungssystems werden dabei in Kauf genommen.
- Kriegstüchtigkeit wird politisch entschieden und von oben organisiert. Friedenstüchtigkeit wächst von unten, im alltäglichen Handeln von Menschen.
- Kriegstüchtigkeit formt Verhalten durch Druck und Angst. Friedenstüchtigkeit ist die Kompetenz zu gewaltfreiem Handeln, das Beziehungen befriedet.
- Kriegstüchtigkeit zielt auf Stabilität durch Abschreckung. Friedenstüchtigkeit zielt auf Stabilität durch tragfähige Beziehungen.
- Kriegstüchtigkeit reduziert Komplexität durch Feindbilder. Friedenstüchtigkeit hält Komplexität durch Perspektivvielfalt.
- Kriegstüchtigkeit folgt einer Win-Lose-Denkweise, die zu einem Lose-Lose-Ergebnis eskalieren kann. Friedenstüchtigkeit folgt einer Win-Win-Denkweise.
- Kriegstüchtigkeit folgt einem Entweder-oder-Beziehungsmuster. Friedenstüchtigkeit folgt einem Sowohl-als-auch-Beziehungsmuster.
- Kriegstüchtigkeit reagiert aus dem eigenen Verständnis heraus. Friedenstüchtigkeit handelt aus dem Verständnis der Friedenssumme des gesamten Beziehungssystems.
- Kriegstüchtigkeit reagiert auf Gewalt als Symptom. Friedenstüchtigkeit setzt früher an den Ursachen an, damit Gewalt gar nicht erst entsteht.
- Kriegstüchtigkeit benötigt gewaltbereite Soldaten und hohe finanzielle Mittel. Friedenstüchtigkeit braucht Menschen, die Frieden praktisch üben, zum Beispiel mit dem Friedensspiel.
- Friedenstüchtigkeit bedeutet nicht, nicht wehrhaft zu sein, sondern gewaltfrei zu handeln.
- Friedenstüchtigkeit bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern sie bewusst zu nutzen.
- Friedenstüchtigkeit bedeutet nicht, andere zu missionieren, sondern Mehrdeutigkeit wahrzunehmen, zu verstehen und tragen zu können.
Was ist der Unterschied zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK)?
GFK und das Friedensspiel widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich. Die Gewaltfreie Kommunikation hilft vielen Menschen, einen tieferen Zugang zu ihren Gefühlen und Bedürfnissen zu finden. Das Friedensspiel macht sichtbar, wie Beziehungen als gemeinsames System entstehen und gestaltet werden können. Die wichtigsten Unterschiede zeigen sich dabei in drei Punkten:
Zwei Stufen | zwölf Stufen
Die GFK unterscheidet im Kern zwischen zwei Arten zu sprechen: der sogenannten Wolfssprache und der Giraffensprache. Sie hilft Menschen zu erkennen, ob Kommunikation eher gewaltvoll oder gewaltfrei ist. Zugleich zeigt sie, wie Kommunikation gewaltfrei gestaltet werden kann, und empfiehlt dafür das Vier-Schritte-Modell als grundlegende Vorgehensweise.
Das Friedensspiel arbeitet differenzierter. Es unterscheidet zwölf verschiedene Beziehungsmuster zwischen Gewalt und Frieden. Dadurch wird sichtbar, welche Dynamik gerade wirkt. Denn je nach Situation kann eine andere Vorgehensweise zu einer Verbesserung führen. Die an den Kontext angepasste Wahl der nächsten Handlung ist niederschwelliger als die Anwendung des Vier-Schritte-Modells.
Gefühle und Bedürfnisse | Schlüssigkeitsinn
Die Gewaltfreie Kommunikation richtet die Aufmerksamkeit nach innen auf Gefühle und Bedürfnisse. Menschen lernen wahrzunehmen, was sie fühlen und welche Bedürfnisse hinter ihrem Erleben stehen. Diese innere Wahrnehmung bildet die Grundlage dafür, wie sie sprechen und handeln.
Das Friedensspiel richtet die Aufmerksamkeit auf den Schlüssigkeitssinn. Spieler prüfen dabei unmittelbar, ob etwas für sie stimmig oder unstimmig erscheint, indem sie die einfache Frage „Wie erlebe ich mich?“ beantworten, zu der es sieben mögliche Antworten gibt. Durch das Umdrehen der entsprechenden Karte wird dieses Erleben sichtbar. Gleichzeitig entsteht eine kontextabhängige Orientierung dafür, wie die nächste Handlung gewählt werden kann. So bleibt Handlungsfähigkeit auch in Situationen erhalten, in denen es nicht passend erscheint oder die Kompetenz fehlt, Gefühle oder Bedürfnisse offenzulegen.
Zwei Perspektiven | vier Perspektiven
In der Gewaltfreien Kommunikation liegt der Fokus vor allem auf den Perspektiven der Menschen, die an einem Gespräch beteiligt sind. Ziel ist es, Gefühle und Bedürfnisse der jeweiligen Person sichtbar zu machen.
Das Friedensspiel erweitert diesen Blick um zwei weitere Perspektiven. Neben den beiden Perspektiven der Spieler kommt die Beziehung selbst als dritte Perspektive hinzu. Das Kommunikations- bzw. Beziehungsmuster wird als Beziehungskatze personalisiert. Dadurch wird sichtbar, welche Dynamik zwischen den Beteiligten wirkt.
Eine vierte Perspektive ist das Gesamtsystem. Sie wird als Friedenssumme sichtbar gemacht. Diese ergibt sich aus dem inneren Frieden der jeweiligen Spieler und dem sozialen Frieden der Beziehungskatze.
Die Perspektiven der Beziehungskatze und der Friedenssumme geben Orientierung für befriedendes Handeln, das aus der jeweiligen Einzelperspektive der Spieler oft verborgen bleibt. Aus diesen systemischen Perspektiven wird nachvollziehbar, wie auch Menschen, die grundsätzlich gesund und mit sich verbunden sind, in Gewaltspiralen geraten – und wie sich solche Dynamiken wieder auflösen lassen.
Was haben die schwarz-weißen Katzen mit dem Friedensspiel zu tun?
Beziehungen werden im Friedensspiel als Beziehungskatzen personalisiert. Ihre Musterung visualisiert die Qualität des sozialen Friedens, der zwischen dem schwarzen und dem weißen Spieler herrscht. Die Metapher der Katze ist bewusst gewählt. Wie Katzen verhalten sich auch Beziehungen und sozialer Frieden: Sie können überraschen und sind nicht vollständig kontrollierbar.

Gewalt zu Frieden ist in zwölf Stufen unterteilt. Sie werden durch unterschiedlich gemusterte Beziehungskatzen dargestellt und von BK-1 bis BK-12 durchnummeriert. Die in Reihe gelegten Beziehungskatzenkarten wirken wie ein Navigationssystem. Sie zeigen, wo eine Beziehung gerade steht, und geben Orientierung dafür, welche Handlung in der jeweiligen Situation hilfreich ist, um den nächsten Schritt in Richtung des friedvollsten Beziehungsmusters zu gehen – der getigerten Beziehungskatze (BK-12). Auf diese Weise wird die Herkulesaufgabe Frieden in einzelne überschaubare Herausforderungen untergliedert. Das schafft Orientierung und nimmt spürbar den Druck, alles perfekt machen zu müssen.
Wie bei einer Katze gibt es Momente der Distanz, der Auseinandersetzung oder der liebevollen Annahme. Allein das gemeinsame Herausfinden, welche Zwischenstufe beide Spielenden aktuell bereit sind, im Alltag zu pflegen, kann zu einer spürbaren Verbesserung der Beziehung führen.
Muss ich besondere Vorkenntnisse mitbringen?

Nein. Das Friedensspiel erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Für den Überblick wird eine Schatzkarte im A2-Format mitgeliefert. Alle Begriffe und Abläufe werden auf den ersten zwölf Seiten des Kartensets erklärt, sodass ein Einstieg jederzeit und vom eigenen Erfahrungsstand aus möglich ist.
Wie der Kauf einer Hantel allein noch keine Muskeln aufbaut, entfaltet auch das Friedensspiel seine Wirkung erst durch das Durchspielen der Gedanken- und Übungsspiele. Das Friedensspiel lädt dazu ein, Frieden auf einer Lernreise zu erkunden und im Alltag praktisch umzusetzen.
Auf welchen Wirkprinzipien baut das Friedensspiel auf?
Die vier grundlegenden Wirkprinzipien des Friedensspiels sind Schlüssigkeit, Hybridisierung, selbstschaffende Systeme und Vielfalt.
Sie beziehen sich auf die Salutogenese von Aaron Antonovsky, die Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour, die Allgemeine Systemtheorie von Niklas Luhmann und die Friedensmatrix von Daniel Juling.
Du musst diese theoretischen Grundlagen nicht kennen, um mit dem Friedensspiel deine Friedenstüchtigkeit zu trainieren. So wie du ein Smartphone nutzen kannst, ohne seine Technik im Detail zu verstehen, kannst du auch mit dem Friedensspiel üben, ohne die Theorie dahinter studiert zu haben.
Wenn du Frieden nicht nur üben, sondern auch verstehen und gemeinsam mit anderen Menschen erleben möchtest, trage dich hier in den passenden Newsletter ein:
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